Korbflechterei

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Korbflechterei

Die Chamaerops humilis ist eine Zwergpalme und die einzige Palme, die in Europa beheimatet ist. Sie ist als Palmito bekannt und aus ihr werden zahlreiche handwerkliche Originalprodukte auf Mallorca hergestellt. Man nennt diese Tradition ‘Obra de llatra’.

Der Erzherzog Luís Salvador erwähnt diese Handwerkskunst in seinem Werk „Die Balearen“, das in zahlreichen Bänden in den Jahren zwischen 1869 und 1891 veröffentlicht wurde. Darin beschreibt er detailliert die Prozesse der ‘obra de llatra’, angefangen beim Sammeln und Verarbeiten der Blätter bis hin zu einer Beschreibung der einzelnen Produkte dieses Handwerks.

Ende des 19. Jahrhunderts war die Produktion so umfangreich, dass 1899 in Capdepera die Protectora gegründet wurde, die sechs Jahre später in La Palmera umbenannt wurde und die erste und einzige Kooperative zur Kommerzialisierung von Palmenprodukten war. Ein anderes Zentrum war Artà, das sich heute den Markt mit Capdepera teilt. In den Straßen kann man kleine, stimmungsvolle Läden besuchen, in denen dieses Handwerk ausgeübt wird.

Für die Vorbereitung der Palmblätter zur Verarbeitung ist ein aufwendiger Prozess vonnöten, der mit der Ernte im Juli beginnt. Danach werden die Blätter ausgebreitet und an der Sonne getrocknet, damit sie ihre typische weiße Farbe bekommen. Nach dem Trocknen werden sie in dünnere Stränge geteilt. Die Stränge mit der besten Qualität werden für feinere Arbeiten aufgehoben und der Rest wird zu Besen verarbeitet. Die Stränge werden in Wasser und Chlorbleiche eingeweicht. Sie werden dadurch weißer und flexibler, was die Verarbeitung des Materials erleichtert. Dann beginnt die künstlerische Arbeit mit dem Flechten der Stränge, eine Arbeit, die auf Mallorca in den Händen der Frauen liegt, ganz im Gegensatz zu anderen Regionen. Es gibt eine Vielzahl von Produkten wie Körbe, Hüte, Taschen, Säcke, Rucksäcke, Sandalen, usw. Es gibt Produkte im klassischen Design aber auch neue und innovative, sowohl was die Farbe als auch die Form betrifft. Immer wird der kunsthandwerkliche Charakter bewahrt und jedes Objekt ist ein Einzelstück. Zwei interessante Orte in diesem Zusammenhang sind das Museo Regional de Artà, wo man die traditionellen Geräte besichtigen kann, und ein mittelalterlicher Markt, der im Mai in Capdepera mit einer Vielzahl dieser Objekte stattfindet.

Aber die Korbflechterei beschränkt sich nicht auf die ‘obra de llatra’, obwohl das der typischste Bereich ist. Aus Pfahlrohr (Arundo donax), das die Araber einführten, und Schilfrohr (Pharagmites communis) werden ebenfalls Körbe, Reusen, Matten usw. gefertigt. Sisal und der breitblättrige Rohrkolben (Enea) liefern die Basis für typische Stühle. Mit Arbeiten aus Esparto (Grasart), genannt ‘pleita’, werden viele Gebrauchsgegenstände gefertigt, wie z.B. Kordeln für Kirchenglocken.

Außerdem die so enannten ‘Espardenyes’, Schuhe, die eine Sohle aus Esparto oder Jute haben und die sogar die königliche Familie im Sommer trägt. In der Calle Cordeleria in Palma gibt es noch immer Läden, die an den Ruhm erinnern, den dieses Kunsthandwerk bis in die sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts bewahrte. Darunter finden wir den vermutlich ältesten Laden von ganz Europa, der von derselben Familie geführt wird. Es handelt sich um Ca la Seu, gegründet 1510. Bis 2002 wurde es von den Nachfahren der Gründer geführt. Anfangs arbeiteten sie nur für die Kathedrale la Seu, daher der Name. Der Laden befand sich gleich neben der Kathedrale. Sie stellten unter anderem die Matten und Kordeln her.

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